Eine politische Hure

Junkfaktor: ★★★★½

Ich bin einmal mehr absolut begeistert von der Sneak im Cineplex. Es kommt immer wieder vor, das Filme präsentiert werden, welche ich vermutlich sonst niemals gesehen hätte. Diese Filme ziehen auf Grund großer Hollywood Produktionen einfach an uns vorbei. Der Name der Leute (Trailer) ist genau so ein Film. Ich kann nur jedem Empfehlen wenigstens den Trailer zu gucken, dieser gibt einen guten Einblick in den Film und verheimlicht fast alle Gags (ein Novum heute). Vorweg, es handelt sich um einen französischen Film von Michel Leclerc. Dies ist allerdings kein Zeichen für einen schlechten Film, man denke an “Willkommen bei den Schtis” oder “Der kleine Nick”.

Der Zuschauer nimmt am Leben von Arthur Martin und Bahia Benmahmoud teil. Es handelt sich hierbei um zwei grundverschiedene Charaktere. Arthur ist der Sohn einer gutbürgerlichen Familie mit einer Immigrations Vergangenheit. Man bekommt eine Einführung in sein Leben, die Beziehung zu seinen Eltern und seinen Job als Forscher auf dem Gebiet das H1N1 Virus. Durch einen Zufall trifft er auf Bahia, deren Leben parallel vorgestellt wird. Bahia ist die Tochter eines Immigranten und einer französischen Aktivistin und lebt ein sehr freizügiges Leben ohne festes Einkommen. Sie tritt gegen alles ein wodurch Personen unterdrückt werden. Die rechten Partein, die Faschisten, Diskriminierung, und natürlich auch H1N1.  Bei einem ihrer unregelmäßigen Jobs platzt sie in ein Interview von Arthur und erregt so seine Aufmerksamkeit. Es entsteht eine Freundschaft zwischen dem ungleichen Paar welches auf Bahias Seite auf Sex, auf Arthurs Seite auf Interesse an ihrem Leben begründet ist. Es kommt zu einer Zusammenführung der beiden Handlungsstränge und zum Aufeinander treffen zweier Kulturen. Bahias Familie vertritt die lebensfrohe algerische Seite welche auf die konservative Familie von Arthur trifft. Natürlich sorgt dies neben Konflikten auch für den einen oder anderen Lacher. Als Zuschauer stellt sich einem immer die Frage, ob das Paar eine Gemeinsame Zukunft hat. Diese Hoffnung wird mehrmals komplett auf den Kopf gestellt, was nicht zuletzt an der grandiosen Story liegt.

Die Schauspieler des Films sind dem deutschen Zuschauer vermutlich genau so wenig geläufig wie der Regisseur. Letzterer hat auch mit keinem größerem Projekt von sich reden gemacht. Um so schöner das ihm mit diesem Film ein grandioser Einstieg gelingt. Die männliche Hauptrolle verkörpert Jacques Gamblin, welcher mit seiner Art sehr an Christoph Waltz erinnert. Er verkörpert die Rolle des konservativen Städters sehr gut. Die weibliche Hauptrolle wird besetzt von Sara Forestier. Dem deutschen Zuschauer ist sie unter Umständen aus Tom Tykwers “Das Parfüm” bekannt. Allerdings segnet sie hier relativ schnell das zeitliche. Zum Glück gönnt man uns in diesem Film ein bisschen mehr von ihrer Ausstrahlung, auch wenn Sie für meinen Geschmack oftmals ein wenig zu freizügig daher kommt. Trotzdem spielt sie sehr gut und sorgt für eine Menge Lacher. Gerade das Zusammenspiel der beiden Hauptcharaktere muss in den Vordergrund gerückt werden. Die Harmonie der beiden Schauspieler trägt den Film und sorgt für grandiose Unterhaltung. In einer weiteren Rolle findet sich noch Zinedine Soualem, welcher schon bei den Schtis in Erscheinung trat. Ob es sich nun um ein Klischee handelt oder um die Realität, die Lebensfreude der französischen Immigranten zieht einen, nicht zuletzt auf Grund der schauspielerischen Leistungen, in ihren Bann.

Der Name der Leute ist ein weiterer Film welcher zeigt, dass französische Filme durchaus eine Darseinsberechtigung haben. Oftmals geraten sie in den Hintergrund und werden dem deutschen Publikum ohne Grund vorenthalten.  Der Film spielt nicht nur mit der welt- und innenpolitischen Situation Frankreichs, sondern wirft auch einen Blick auf die Migrationshintergrund im Land. Jeder Abiturient mit französische GK muss sich mit dieser Thematik befassen, allerdings wurde sie vermutlich nur bei mir so lustig verpackt wie in diesem Film. Neben dem ganzen Humor werden allerdings auch kritische Themen angesprochen. Neben dem Algerien-Krieg findet auch das Kapitel der “Collaborateur” einen Platz. Somit bietet der Film einen Querschnitt durch die französische Geschichte bis zum heutigen Zeitpunkt.

Der Film ist ein klares must see für alle Personen welche sich für Filme wie “Willkommen bei den Sch’tis” oder “Alemania” begeistern können. Ich habe seit langem in keinem Film mehr so von herzen gelacht. Die Komik ist auf einem hohen Niveau und wirkt zu keinem Zeitpunkt anzüglich oder gestellt. In der Bewertung erhält er somit 4,5 Punkte. Ich befürchte allerdings das beim zweiten Mal ein paar Lacher auf der Strecke bleiben. Trotdem ein sehr guter Film welcher auf Grund der Thematik, der Schauspieler und der sehr soliden Umsetzung mehr als überzeugen kann.

About mindMASTER

28 jähriger Ex-Student und Sneaker aus Paderborn, Filmfanatiker mit knapp 500 DVDs und Blurays. Knapp 4 Jahren Sneakerfahrung im Cineplex Paderborn sprechen für sich. Aktuell regelmäßiger Gast in den Einbecker Kinosälen. Neben mehrstündigen Filmabenden von "Police Academy" und "Herr der Ringe" wird auch vor 8 stündigen Oscar-Nächten nicht zurückgeschreckt.